Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Andreas Weißenburg
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Spitalkirche

"Zum Heiligen Geist"

Wo die eigentlichen Wurzeln dieser Kirche liegen, das verrät bereits ihr Name: In der Zeit des Mittelalters nämlich hatten so genannte Spitäler die Aufgabe, sich um Kranke und Arme, um Obdachlose und andere Randgruppen der Gesellschaft zu kümmern. So war und ist dieses Gotteshaus bis heute im Besitz der Hospitalstiftung "Zum Heiligen Geist" bei der Stadt Weißenburg.

SpitalkircheDer gesamte Innenraum ist maßgeblich durch die Barockisierung von 1728/29 geprägt. Die künstlerische Ausgestaltung freilich trägt die unverwechselbare Handschrift des Eichstätter Hofmalers Joseph Dietrich. Im Chor finden sich drei in Längsachse angeordnete Deckenfresken, im Langhaus weitere fünf - jeweils zu unterschiedlichen biblischen Motiven. Die Fresken auf der südlichen Langhausseite zeigen eine so genannte "Armenbibel" (biblia pauperum) zur Lebens- und Leidensgeschichte Christi. Viele Menschen konnten zur damaligen Zeit weder lesen noch schreiben. Deswegen ließ man sie schlichtweg vor die Bilder treten und erklärte sie ihnen. Das gesamte Werk ist 15 Meter lang und hatte ursprünglich drei Reihen.

Die Wandmalereien im Chor stammen alle aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und sind lediglich noch fragmentarisch erhalten. 1675 bekam die Kirche eine neue Kanzel, gestiftet von einem Weißenburger Gerbermeister und dem eigenartigen Schriftzug: "Zu Gottes Ehr und Preis, stiftet diesen Stuhl Mathias Heiss." Das für Bürgermeister Johann Georg Sonnenmeyer 1688 errichtete Epitaph an der Nordseite des Langhauses hat man erst 1980 von der Karmeliterkirche hierher versetzt. Der Altar wurde 1712 von eben diesem Sonnenmeyer gestiftet. Gestaltet hat ihn dagegen ein Nördlinger Bildhauer, dessen Name allerdings bis heute nicht bekannt ist. Das dort zu lesende Bibwelwort findet sich in 1. Kor 2,2 wieder: "Ich hielt mich nicht dafür, dass ich etwas wüßte unter euch, on allein Jesum Christum den gecreuzigten". Die Fertigung der Orgel reicht zurück ins Jahr 1790. Ein späterer Umbau erfolgte dann  Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts durch die Orgelbaufirma Steinmeyer.

Schließlich noch ein kurzer Blick auf die jüngste Vergangenheit und Gegenwart dieser Kirche: Unmittelbar nach den schweren Winterstürmen des Jahres 1990 zeigten sich massive Schäden an der Grundsubstanz des Kirchenbaus. Die Kirche war daraufhin über zehn Jahre geschlossen und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Für insgesamt rund 700.000 Euro ist das Gotteshaus nun saniert und Anfang Dezember 2003 in einer Feierstunde wieder eröffnet worden. Eine grundlegende Turmsanierung hat im Sommer 2007 begonnen und stellte sich bald schon als deutlich aufwendiger heraus, als anfangs angenommen. Mit Beginn der Weißenburger Kirchweih im August 2008 erstrahlt nun seine Außenfassade wieder in ursprünglichem Glanz. 

Seit dem 1. Januar 2004 wird die Spitalkirche nun auch wieder gottesdienstlich genutzt und man hört an diesem Ort so manches kirchenmusikalische Konzert, feiert hier Passionsandachten und in den Sommermonaten sonntags um 8 Uhr auch regelmäßig den Frühgottesdienst. [gs]